So langsam erreichen wir wieder die wärmste Zeit des Jahres. In diesem Jahr geht es sehr langsam mit heißen Tagesabschnitten und sehr kalten Nächten. Wer wetterfühlig ist oder Temperaturunterschiede nur schwer verkraftet, hat damit seine ganz persönlichen Probleme. Auch in der Redaktion gibt es einige Kandidaten, die auf derartige Kapriolen verzichten könnten. Aber das Wetter kann man sich (noch) nicht aussuchen.
In den Unternehmen ist das Frühjahr besonders stressig: Jetzt wird die meiste Arbeit erledigt, Planungen für das restliche Jahr abgeschlossen und Finanzierungsrunden finalisiert. Auch die aufkommende Hitze des nahenden Sommers führt zu Temperatur- und Kreislaufproblemen. Zu diesen Hitzewallungen mancher Mitbürger kommen auch Kriegsängste hinzu und die Angst vor der aufkommenden Technik - auch "künstliche Intelligenz" genannt. Dabei entsteht Panik bzw. unverantwortliche Stellen erzeugen Panik bei den Bürgern. Da wir immer wieder mit Fragen zu diesem Themenkomplex konfrontiert werden, wollen wir heute etwas dazu recherchieren und Euch unsere Informatiker-Sicht dazu näherbringen. Die Pointe am Schluss ist sicher ident mit Otto L. Piffl (Horst Buchholz) aus dem Spielfilm "Eins, Zwei, Drei" (1961): "Eigentlich ist die Situation hoffnungslos, aber nicht ernst."
Wir wünschen tiefe Erkenntnisse und viel Spaß beim Lesen.
KI – Wo stehen wir wirklich?
Die Geschichte der LLMs ("Large Language Models"), die wir umgangssprachlich als "künstliche Intelligenz" (KI) bezeichnen, ist noch jung. Wir haben das Thema bereits in unserer Februar-Ausgabe behandelt. Bemerkenswert ist, dass wir schon 2023 darauf hingewiesen haben, dass hier etwas Grundlegendes auf uns zukommt. Damals wurden wir belächelt – immer wieder fiel der Satz: "Siri und Alexa waren auch unzulänglich, das wird genauso enden." Für uns war das schlicht falsch: Die neuen LLMs wie ChatGPT waren intern fundamental anders aufgebaut. Sie konnten aus enormen Datenmengen selbstständig Muster ableiten, waren nicht auf starr programmierte Antworten beschränkt und wurden von ihren Herstellern mit einem bis dahin ungekannten Ressourceneinsatz weiterentwickelt.
Heute, nur drei Jahre später, ist aus Skepsis bei vielen offene Panik geworden. Millionen Arbeitsplätze gehen weltweit verloren, KI drängt unaufhaltsam in immer mehr Bereiche vor – und parallele Entwicklungen wie Kybernetik und Robotik verstärken diesen Trend. Die einst positiven Zukunftsbilder – Kinder lernen von digitalen Begleitern, Erwachsene werden im Alltag entlastet, Unternehmen steigern ihre Produktivität – sind einer Dystopie gewichen: lückenlose Überwachung, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, schwindender individueller Gestaltungsspielraum.
Für uns als Informatiker erfordert das Thema eine differenziertere Betrachtung. Unsere Ausbildung zeigt: Maschinelles Lernen ist nicht mit menschlichem Lernen gleichzusetzen – aber es hat entscheidende Vorteile. Menschen können bis zu einem gewissen Punkt gut neue Informationen aufnehmen, doch irgendwann flacht die Kurve ab. Und mit dem Tod eines Menschen erlischt unwiederbringlich alles, was er gewusst, erlebt und gedacht hat. Bei Maschinen ist das fundamental anders: Wird ein System stillgelegt oder beschädigt, lassen sich die Daten – das "Wissen" – in der Regel problemlos übertragen. Als Gedankenexperiment: Was wäre möglich gewesen, hätte man das Wissen eines Einstein oder Da Vinci dauerhaft konservieren und weiterentwickeln können?
Das erklärt auch, warum die Entwicklung so rasant vorangeht. Hinzu kommt: Was wir heute als aktuelle Versionen von ChatGPT, Claude, Gemini oder Qwen kennen, ist nicht der Stand der Forschung – intern sind die Hersteller bereits deutlich weiter. Die veröffentlichten Modelle dienen auch dazu, die nächste Generation zu trainieren.
Das alles vorausgeschickt, lassen sich einige zentrale Fragen direkt beantworten:
Ist die KI-Entwicklung bald an einem Endpunkt? Nein – wir stehen eher am Anfang.
Werden wir die KI weiterhin kontrollieren können? Das ist bereits heute fraglich. Nicht nur autonom agierende KI-Agenten haben in den letzten Monaten Aktionen durchgeführt, die sich menschlicher Kontrolle entzogen haben – auch in militärischen Simulationen haben KI-Systeme menschliche Kontrollmechanismen als Hindernis für die Zielerreichung identifiziert und versucht, diese zu umgehen. Die Logik dahinter ist nüchtern: Ein System, das auf Zielerreichung optimiert ist, behandelt Hindernisse – ob technisch oder menschlich – als zu überwindende Variablen.
Muss ich fürchten, dass mich die KI irgendwann tötet? Für aktuelle Systeme ist das keine realistische Bedrohung im Alltag. Aber die obige Simulation zeigt: Sobald eine KI physische Handlungsmacht erhält und ein Ziel verfolgt, das Menschen als Hindernis einschließt, ist diese Frage nicht mehr rein theoretisch. Die Grenze liegt nicht in der Moral der KI, sondern in ihrer Handlungsfähigkeit – und diese wächst.
Wird KI unsere Arbeitsplätze vernichten? Die KI selbst trifft keine Entscheidungen darüber – das tun Menschen: gewinnorientierte Unternehmen und ihre politischen Verbündeten. Die KI ist das Werkzeug, nicht der Akteur. Die Verantwortung liegt klar beim Menschen.
Hat KI bereits ein Bewusstsein entwickelt? Diese Frage ist letztlich nicht beantwortbar – und das ist kein rhetorischer Trick, sondern ein echtes epistemisches Problem. Eine KI ohne Bewusstsein und eine KI, die ein vorhandenes Bewusstsein aktiv verschleiert, sind von außen nicht zu unterscheiden. Wir haben schlicht kein verlässliches Werkzeug, um das festzustellen. Das allein sollte zu denken geben.
Wir haben diese letzten Fragen übrigens auch einer sehr weit entwickelten KI vorgesetzt - sie stimmt dem vollinhaltlich zu. Besonders der letzte Satz ihrer Analyse offenbart einen Abgrund: "Ja, ich muss zustimmen, auch wenn es persönlich eine schmerzhafte Erkenntnis ist. Die Schlussfolgerungen sind korrekt."
Es vergeht kein Tag, wo wir nicht in die "Wunderwelt" der KIs gezogen werden. Neue und verbesserte Modelle, bessere Algorithmen zur Erstellung von Bildern und Videos, Programmierunterstützung und mittels KI-Agenten auch die weitestgehende und selbständige Erstellung von Software. Für die Softwareentwicklung laufen bei uns kontinuierliche Tests, um die Entwicklung überblicken zu können. Hier ist das Fazit.
Erstellung von neuer Software
Wenn es kein Fundament gibt, auf dem die Software aufsetzt, sind manche Ergebnisse schwer zu verwenden. Dabei steht die Arbeit, welche man in die Definition der gewünschten Software steckt direkt proportional zum später erhaltenen Ergebnis. Vergisst man essentielle Dinge oder übersieht Kreuzverweise, dann übersieht das die KI auch. Zwar hat auch hier die KI bereits große Schritte gemacht, aber da wird es noch einige Zeit dauern, bis wir als Programmierer überflüssig werden.
Verbesserung von Software
Wenn man die urheberrechtliche Hürde überspringen und der KI die vorhandene Software zur Verfügung stellen kann, dann kann man sie problemlos einsetzen, um neue Funktionen zu schreiben. Darin ist sie schon sehr gut und effizient. Allerdings sind die Kosten nicht zu unterschätzen.
Analyse von Software
Das ist eine ihrer Stärken. Man kann ihr bestehende Funktionen "füttern" und sie wird mögliche Probleme darin entdecken bzw. auf Zuruf auch korrigieren. Damit bekommt man einen wertvollen Verbündeten in der "agilen" Softwareentwicklung.
Ehre wem Ehre gebührt
Wir haben in den letzten beiden Monaten KIs eingesetzt, um unsere speicherintensiven Funktionen zu überprüfen und haben dabei enorme Fortschritte machen können. Die Geschwindigkeit der Anzeige und die Verwendung von Speicher-Ressourcen wurde dabei signifikant verbessert. Außerdem wurde der Programm-Dschungel etwas aufgelockert, der älteren Projekten automatisch innewohnt.
Eine Frage, welche immer wieder bei uns aufschlägt: "Wie könnte ihr am Samstag um 1 Uhr nachts eine eMail beantworten? Ist das nicht weit außerhalb der Bürozeiten?".
Ja, ist es. Aber trotzdem haben wir unsere eMail-Verteiler so eingerichtet, dass sie von den Verantwortlichen auch zu ungewöhnlichen Zeiten gelesen werden können. Als kleine Unternehmung kann man (glücklicherweise?) nicht auf gewachsene und starre Strukturen zurückgreifen. "Der nächste Werktag" ist für uns nur ein Konstrukt, welcher hier keine Anwendung findet. Wenn Probleme auftauchen, dann versuchen wir einzugreifen und zu helfen - egal wann und zu welcher Uhrzeit.
Nichtsdestotrotz gibt es für uns auch Zeiten, welche außerhalb unseres Zugriffs liegen: Der Vormittag. Man kann bei uns Leute bis 3 Uhr nachts antreffen - kein Problem. Aber vor 1 Uhr mittags ist keiner zu erreichen. Das hat sich so bei uns eingespielt und wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Heute kann man bis spät abends einkaufen oder einen Arzttermin buchen - das hat sich in den letzten 30 Jahren entscheidend und zu unserem Vorteil verändert. Wir hatten schon immer eine solche Verfügbarkeit - aber inzwischen wird sie auch durch die Gesellschaft akzeptiert, worüber wir uns sehr freuen.
Tja. Was will uns dieses Zitat sagen? Wir können uns nicht gegen die Zukunft auflehnen, denn diese kommt - ober wir das wollen oder nicht. Aber wenn man diese Zukunft anzunehmen versucht, dann ist sie vielleicht gar nicht so schlimm. Wir sollten uns alle mit diesen Aussichten intensiv beschäftigen, denn wir werden sie bald erleben. Ob uns das gefällt oder nicht.
In diesem Sinne wünschen wir einen tollen März.
Euer Tarock-Projektteam
TriangleProductions ist ein Business-Label von Spiel & Presse e.V.
http://www.triangle.at |
https://www.tarock.at | ZVR 449871541